Weingläser

Der Genuß von Weinen aus speziellen Gefässen und Gläsern gehört schon seit der Antike zum kulturellen Anspruch vieler Völker.

Einige Techniken der Glasherstellung (z.B. durch Gießen und Schleifen) waren zu Zeiten der Römer längst bekannt, als die Kunst der Glasbläserei nach Christi Geburt entwickelt wurde. Diese Technik, dünnwandige Gefäße in beliebigen Formen zu realisieren, bedeutete einen technischen Meilenstein in der Herstellung gläserner Gebrauchs- und Schmuckgegenstände und erlebte damals ihre erste Hochkonjunktur. Nach einer Periode geringerer Aufmerksamkeit erwachte zum Ende des Mittelalters ein neues Interesse an den Produkten der Glaskünstler. Um dem Bedarf der Kundschaft gerecht zu werden, entwickelte sich eine Vielfalt von Familienunternehmen, die die Kunst der Glasbläserei mit ihren hand- und materialwerklichen Geheimnissen von Generation zu Generation weitergaben.

Eine besondere Erwähnung verdienen die venezianischen Glasbläser auf der Insel Murano, deren Gläser zu einem Inbegriff für hohen Anspruch an Materialwahl und Formenvielfalt wurden. Geschätzt vor allem in den Herrschaftshäusern Europas mit ihrer gelebten und zelebrierten Tafelkultur, wurden immer prunkvollere und Schmuckstücken gleichende Glaskunstwerke in den Manufakturen entworfen, mit denen man die erlauchten Gäste beeindrucken konnte. Mit dem Wunsch, solche Gläser auch in eigenen Regionen herstellen zu können, entstanden nördlich der Alpen einige Glashütten mit venezianischer Beteiligung. Daneben existierten etliche heimische Unternehmen, die die Herstellung tradierter Gefässformen (z.B. dem Römer) aus mittelalterlichen Zeiten pflegten.
Im Barock mit seinen kräftigen Formen und vielfachen Schliffvarianten wurde auch der böhmische Raum mit angrenzenden Gebieten ein wichtiges Zentrum der Glasherstellung.

In den Entwicklungen der Neuzeit setzten sich die Glasformen mit Kelch und Stil gegenüber becherartigen Varianten weitgehend durch. Bei der Gestaltung von Weingläsern pflegt man heute eher einen schnörkellosen Stil mit filigran ästhetischer Formensprache und dem Anspruch einer funktionalen Ausrichtung. Die Einteilung der Weingläser erfolgt auch heute noch in klassischer Weise nach Rot- und Weisswein.
Ein guter Rotwein, einer der teuersten sind die Rothschild Weine, sollte einige Zeit vor dem Genuss geöffnet werden, damit er Zimmertemperatur (ca. 16-18° C) annehmen kann. Handelt es sich um einen Wein mit Ablagerungen (Depot), so sollte er vorsichtig in eine Karaffe umgefüllt werden (dekantieren). Ein passendes Rotweinglas verfügt zur Entwicklung der Aromen über ein grösseres Volumen (= grössere Kontaktfläche mit der Luft); es gibt sie als spezielle Ausführungen für Bordeaux, Chateau Latour, Burgunder, Rotwein allgemein und als Rosé Glas.
Der Weisswein wird generell bei niedrigeren Temperaturen (ca. 8-10° C) genossen und daher in kleineren Gläsern gereicht. Diese kleineren Mengen erwärmen sich nicht so schnell und bewahren daher länger die Trinktemperatur. Spezielle Gläser gibt es hier für Burgunder, Chardonnay, Riesling und Weisswein allgemein.

Um den Genuss von Weinen und adäquaten Trinkgefässen ranken sich intensive Diskussionen, deren Komplexität auch von ausgebildeten Sommeliers verhalten geteilt wird. Akzeptiert erscheint jedoch, dass durch ein anspruchsvolles Glas einem ebenso anspruchsvollen Wein in einer (hoffentlich) ebenso anspruchssicheren Gesellschaft, einem Augenblick der Zeit eine besondere Aufmerksamkeit verliehen wird - und genau diese lässt sich mit solchen Gläsern unterstreichen - wie mit einer passenden Garderobe.

Natürlich kann ein Schlückchen Merlot Wein am Abend getrunken werden, dann aber bitte im richtigen Glas.

Weissweingläser

Elsässer, Chardonnay, Spätlese, Riessling

Rotweingläser

Bordeaux groß, Bourgogne, Bordeaux, Bourgogne groß